Mittwoch, 11. Juli 2018

Was ist #Souveränität?



Wer verstehen will, wo unter den konservativen Söhnen Albions die Risslinie zwischen Pragmatikern und "hard-Brexit"-Befürwortern liegt, muss diesen Artikel meines alten Freundes Andrew Gimson auf "Conservative Home" lesen, der für die Tories maßgebenden Internet-Seite.

Er fängt mit dem ur-alten, schon 1066 die Spreu von Weizen trennenden Konflikt zwischen "the Cavaliers (Wrong but Wromantic) and the Roundheads (Right but Repulsive)" an und fokussiert dann direkt auf den Kern der Debatte. 

Die Frage nämlich, was in einer globalisierten, interdependenten Welt "Souveränität" überhaupt noch bedeutet. Ich erinnere mich an einen hochinteressanten Vortrag von Alt-Bundespräsident Roman Herzog vor paar Jahren in Baden-Baden, in dem er sehr einleuchtend darlegte, dass Souveränität in der Moderne völkerrechtlich keine Realität mehr sei – wenn nicht so gar zu einer Fiktion geworden und eigentlich auf Fragen des Protokolls zusammengeschmolzen sei. 

Gimson nennt aber zwei Punkte, in denen Souveränität sehr wohl real ist und genau hier liegt die Schmerzgrenze von Leuten wie Boris Johnson und Jacob Rees-Mogg:

... that there should be no taxation without representation, which in turn means the people who elect their representatives should be able to define the limits of who they are, by deciding who becomes a citizen.






Donnerstag, 5. Juli 2018

Grenzenlos



Aus aktuellem Anlass hier ein großartiger Artikel von Peter Hitchens in einer der zurückliegenden Ausgaben meiner Lieblingszeitschrift "First Things": In Praise of Borders.


Donnerstag, 7. Juni 2018

Good p***-take of LGBTQ community

Wie schnell man in einem Fass mit kochendem Öl landen kann, wenn man nicht-zeitgeistkonforme Haltungen zu Familie und "Gender" vertritt, musste kürzlich einer meiner Idole, der britische Unterhaus-Abgeordnete Jacob Rees-Mogg, erfahren (er ist der Sohn des leendären "Times"-Chefredakteurs William Rees-Mogg und vertritt als Parlamentarier der Torys den Wahlkreis Northeast Sumerset). Die BBC hat versucht, ihn wegen seiner Überzeugungen als Fanatiker hinzustellen. Es ist ihnen nicht gelungen. Für das Video bitte hier klicken. 

Ich finde, er macht das brilliant, weil er den Ball der sankrosankten "Toleranz" an die Dogmatiker zurückspielt, die alles zu tolerieren bereit sind ... außer eben traditionelle Sichtweisen.

Jacobs bester Satz: "The act of tolerance is to tolerate things you do not agree with not just ones you do agree with and the problem with liberal tolerance is it has got to the point of only tolerating what it likes."

Als kleines Schmankerl zum Thema eine Szene aus der das postmoderne Öko-LGBTQ-Utopia Portland verarschenden US-Comedy-Serie:






Mittwoch, 6. Juni 2018

Der Film des Jahres: A Quiet Place

Habe schon lange keinen so einen klugen und philosophisch anspruchsvollen Horror-Film mehr gesehen. Leider kommt der Tipp ein bisschen spät, er läuft nur noch in wenigen Kinos (und für Netflix, jedenfalls für einen kleinen Bildschirm, ist "A Quiet Place" ungeeignet). Immerhin muss man ihn nicht in OV sehen. Es gibt praktisch keine Dialoge. Ein Film, für den das Attribut "still" noch untertrieben ist ...

Der Film ist kurz, eigentlich mehr eine Art Kurzgeschichte, und voller religiöser Bezüge (siehe dazu auch diesen Artikel). Der Regisseur, John Krasinksi, 38 Jahre alt, Vater Pole, Mutter Irin (er Arzt, sie Krankenschwester), stellt fundamentale ethische Fragen. 

Im Grunde ist es eine Meditation darüber, wie man sich als Christ in einer zutiefst feindlichen Umgebung zu verhalten hat, die alte Frage, die Bonhoeffer beschäftigt hat: Gibt es das Gute im Bösen? Krasinski beantwortet sie, ähnlich wie Bonhoeffer und Solschenizyn (in "Archipel Gulag"), mit: Ja!


Can you walk the path of love, even in hell? 

You have that choice - in any given situation! 

Or you can make compromises and give in.






Es gibt übrigens, unbeabsichtigt, eine Art begleitendes Textbuch zu dem Film. Das Buch "Die Benedikt Option" des amerikanischen Bloggers, Redners und Autoren Rod Dreher

Die These: Traditionell christliche Sichtweisen, etwa auf die Ehe und Sexualität, die noch vor ein paar Jahren Allgemeinplätze waren, gelten inzwischen vielerorts bereits als intolerant, als "hate speech". In vielen Berufsfelder, so Dreher, sei es zunehmend mit Repressalien verbunden, offen zu einem klassischen Familienbild zu stehen. Wir leben im Westen in einer post-christlichen Epoche.

Drehers Buch ist eine Plädoyer für einen geordneten Rückzug der Christen aus dem öffentlichen Diskurs. Apologetik hält er für vergebene Liebsmüh, verschwendete Energie. Wir sollten uns, sagt Dreher, zunächst einmal neu auf uns selbst besinnen, er rät zu einer Art privat-monastisches Leben in kleinen Netzwerken, die erst mal unter sich – auf einer Art Arche Noah – Klarschiff machen sollten, also ihre Identität wiederfinden, die durch Jahre der Anpassung und Relevanz-Sucht, abgeschleift ist um dann, wie es die monastischen Bewegungen des frühen Christentums (daher der Titel, daher auch meine Assoziation mit Familie Abbot aus "A Quiet Place") vorgelebt haben, mit neuer Vitalität eines Tages wieder im sprichwörtlichen Sinne Land gewinnen zu können.

Als vor etwa einem Jahr das Buch in Amerika herauskam, sorgte es weit über christliche Milieus hinaus für Diskussionen. Der "New Yorker", kein kirchliches Fachblatt, nannte es das "meistdiskutierte und wichtigste religiöse Buch des Jahrzehnts".


Jetzt liegt das Buch - hervorragend übersetzt (der amerikanische Ton kann ja leicht nerven) - auf Deutsch vor. Verlegt wird es im Fe-Medienverlag, ist aber natürlich auch über Amazon erhältlich. Im Vatican-Magazin ist unlängst ein Auszug erschienen. Hier ist er